UBA und NABU: Mehrweg ist besser
4:0 – ohne Ballack – der Wiederaufstieg des Deutschen Teams zu alter Große ist unübersehbar. Also alles easy? Nein, sagt das Umweltbundesamt (UBA). Mit der WM feiert nicht nur der Teamgeist der Nationalmannschaft seine Auferstehung, sondern auch die Dose.
Trotz ökologischen Kreisklassen-Niveaus wird sie pünktlich zu jedem Fußballturnier wieder aufgestellt. Dabei läuft sie mit ihrem Umweltverbrauch im Gegensatz zu Mehrweg-Getränkeverpackungen permanent in die Abseitsfalle. Den Verbrauchern rät der Präsident des UBA, Jochen Flasbarth, deshalb zu Mehrweg: „Egal ob Limo, Cola oder Bier – Mehrwegflaschen aus Glas- oder PET sind die erste Wahl, am besten von einem regionalen Anbieter, da in diesem Fall die Transportwege kurz sind“.
In die gleiche Vuvuzela bläst auch NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller: „Dose und Plastikeinwegflasche muss die Rote Karte gezeigt werden. Es darf keine Rolle rückwärts bei umweltschädlichen Getränkeverpackungen geben.“ Der Marktanteil umweltfreundlicher Getränkeverpackungen ging trotz Dosenpfand dramatisch zurück. Statt der gesetzlich angestrebten Quote von 80 Prozent werden nur noch 50 Prozent erreicht. Bei den alkoholfreien Getränken sind nur mehr 30 Prozent zu verzeichnen. Das Pfand allein kann diesen Trend offensichtlich nicht mehr umkehren.
Das UBA bittet die Verbraucher deshalb auch bei der WM zur Wahl von Mehrweg und ökologisch vorteilhaften Verpackungen wie Getränkekartons. Allerdings müssen die Verbraucher leider im Laden genau hinschauen, denn sowohl Mehrweg- als auch Einwegverpackungen sind oft mit einem Pfand – und mit dem Hinweis “Pfandflasche” - versehen. Einweg wird aber nicht wiederbefüllt. Das UBA fordert die Abfüller und den Handel zur besseren Kennzeichnung auf: „Damit Verbraucherinnen und Verbraucher den Unterschied zwischen Mehrweg und Einweg schnell erkennen können, müssen Verpackungen klarer als bisher gekennzeichnet werden“, so Jochen Flasbarth.
Da sich für eine rote Karte und den Ausschluss der Dose aus dem Spieler-Kader keine Mehrheit findet, plädiert der NABU dafür, ihr mit einer Gelben Dauer-Karte die Spielteilnahme zu erschweren: „Eine nach einfachen Umweltkriterien gestaffelte Steuer auf Getränkeverpackungen kann nicht mehr nur die Mehrwegquoten retten, sondern auch dazu beitragen, den Bundeshaushalt zu konsolidieren. Umwelt- und Haushaltspolitiker aller Fraktionen sollten diesen Vorschlag für mehr Nachhaltigkeit ernsthaft in Erwägung ziehen“, so NABU-Bundesgeschäftsführer Miller.
Die von Materialart und -menge abhängige Steuer brächte beim derzeitigen Boom der Einwegflaschen jährlich 3,3 Milliarden Euro ein. Die Umweltabgabe bevorteile umweltfreundliche Flaschen und Behälter. Jährlich könnten so bis zu 1,5 Millionen Tonnen Kohlendioxid und 400.000 Tonnen Plastikmüll vermieden werden.
„Diese oft bezweifelte Lenkungswirkung umweltorientierter Abgaben ist vielfach bewiesen, wie die jüngsten Analysen zur Ökosteuer gezeigt haben. Auch die staatliche Verteuerung sogenannter Alkopop-Getränke erfüllte ihre gewollte Wirkung“, erläuterte NABU-Abfallexperte Benjamin Bongardt. Die Getränkeverpackungssteuer sei ein eindeutiges Preissignal für Abfüller und Verbraucher. „Sie belohnt den ökologischen Konsum, stärkt die Abfallvermeidung und erteilt dem Profitstreben von Herstellern und Discount-Händlern auf Kosten der Umwelt eine Absage“, so Bongardt weiter.
Ob diese Maßnahmen gegen den Willen des vermögenden Team-Managers, des Oligarchen Roman Verpackowitsch, umzusetzen sind, darf bezweifelt werden. So lange die Dose eng mit ihm befreundet ist und unter seinem persönlichen Schutz steht, muss mit ihrer ständigen Wiederaufnahme in den Mannschafts-Kader gerechnet werden.
