– 50 Jahre BDE –
Ein Verband, der in einem dynamischen Wirtschaftsumfeld sein fünfzigjähriges Bestehen feiert, macht etwas richtig.
Wir leben in turbulenten Zeiten: Nichts ist wirklich sicher, alles ist ständiger Prüfung unterworfen. Ehemalige Garanten deutschen Wohlstandes, Stichwort Ruhrgebiet, sind verschwunden. Von der Montanindustrie, die 100 Jahre Deutschlands Aufstieg getragen hat, sprechen heute nur noch Historiker. Namen wie Mannesmann, WestLB oder Hypo-Vereinsbank sorgen nicht mehr für Ehrfurcht, sonder für fragende bis mitleidige Blicke. Gleiches gilt in der internationalen Politik: So mancher unumschränkte Herrscher von Gestern, ist heute ein wirtschaftlich kranker Mann.
Gemessen daran ist das fünfzigjährige Jubiläum eines Wirtschaftsverbandes etwas sehr Beständiges und Ermutigendes. Denn es beweist, dass seine Mitglieder nicht nur die Bereitschaft besitzen, sich dem Wettbewerb auszusetzen, sondern auch, sich in diesem zu behaupten. Ebenso ist es Beleg für die Fähigkeit der Branche, sich immer wieder ein Stück weit neu zu erfinden. Seit der „Verband des privaten Städtereinigungsgewerbes“, VPS, der Vorgängerverband des BDE, 1961 gegründet wurde, machen die Mitgliedsunternehmen offenbar etwas richtig. Sie bieten ihre Leistung effizient und qualitativ so hochwertig an, dass die Kunden immer wieder gerne auf sie zurückkommen.
„Nebenbei“ haben sie dabei eine der dynamischsten, wachstumsstärksten und innovativsten Branchen Deutschlands geprägt, die international Vorbildcharakter besitzt. Die Rolle der Recycling- und Wasserwirtschaft beim Umwelt- und Klimaschutz ist unverzichtbar und unbestritten. Sie prägt die Außenwahrnehmung der Branche, die heute vor allem als kompetenter Partner in Fragen des Umweltschutzes und der intelligenten Rohstoff-Versorgung auftritt. Wenn sich die Außenwahrnehmung so positiv verändert hat, ist auch dem BDE zu verdanken, der die Branche neu verortet und als moderne Antwort auf die Zukunftsfragen von morgen positioniert hat. BDE-Präsident Peter Kurth weiß, das dies weit mehr ist, als Imagepflege, sondern eine Voraussetzung dafür, dass Kunden, Konkurrenten, Medien und Politik die Kompetenz der Branche goutieren.
Die wachsende, sieben Milliarden Köpfe starke Weltbevölkerung konkurriert um endliche Rohstoffe. Ceteris paribus werden Rohstoffe deshalb teurer. Wer kompetent neue Wege beschreitet, um diese Rohstoffe wiederzugewinnen, wird die Zukunft unternehmerisch meistern können. Die Gründung der Deutschen Rohstoffagentur ist ein Zeichen dafür, dass Berlin eine gesicherte Rohstoffversorgung als strategische Zukunftsaufgabe ansieht. Hier punktet die neue Rohstoffwirtschaft: Denn ihre Ziele sind die Schnittmenge aus nachhaltigem Umweltschutz und nachhaltiger Wirtschaftspolitik.
Als Interessenverband der privatwirtschaftlichen Recyclingwirtschaft setzt sich der BDE für eine Liberalisierung mit Augenmaß ein. Er hat maßgeblich dazu beigetragen, das Image der marktorientierten Unternehmen zu verbessern und von den Untiefen ideologischer Grabenkämpfe fernzuhalten. Recycling- und Abfallwirtschaft genießen als Zukunftsbranchen hohes Ansehen. Wettbewerb ist besonders erfolgreich, wenn er zum Nutzen der Umwelt die Ressourceneffizienz steigert. Und das alles mit Branchentarifvertrag. Das ist vorbildlich.
Aber anders als vor zehn Jahren erfreut sich das „Modell Kommunalwirtschaft“ wieder steigender Beliebtheit. Angesichts der unsicheren Gegenwart wärmt die Stärkung der eigenen Kommune, der „heimischen Scholle“, vielen Bürgern, Bürgermeistern und Bundestagsabgeordneten das Herz. Es kommt ihnen nicht in den Sinn, dass sie ihren Gebührenzahlern damit einen Bärendienst erweisen könnten.
Hier leistet der BDE nötige Aufklärungs- und Überzeugungsarbeit. Die ist heute genauso wichtig, wie vor 50 Jahren. Ebenso wird er den Kampf um die umsatzsteuerliche Gleichbehandlung von privaten und öffentlichen Unternehmen fortsetzen.
Gegen starke Widerstände vertritt der Verband die Position, dass es weder europarechtlich noch ordnungspolitisch haltbar ist, den Kommunen die getrennt erfassten, verwertbaren Haushaltsabfälle alleine zu überantworten. Man darf erwarten, dass die Verbandsunternehmen neue Spielräume in der gewerblichen Sammlung mit einer Recyclingoffensive beantworten werden.
Die Fortschritte in der Recycling- und Sekundär-Rohstoffwirtschaft sind Früchte eines jahrzehntelangen Wettbewerbs. Der Nachhaltigkeitsrat der Bundesregierung nimmt jetzt ein noch ambitionierteres Leitbild ins Visier: Die hundertprozentige Kreislaufwirtschaft. Die Mitgliedsunternehmen des BDE stehen bereit, dieses Ziel in Angriff zu nehmen. Sie wissen, dass es sich nur im freien und fairen Wettbewerb erreichen lässt. Dafür wird sich der BDE auch in den kommenden Jahrzehnten einsetzen.
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